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DBIB und EPBA sind mit dabei: Save bees and farmers – Bienen und Bauern retten: Bündnis startet EU-Bürgerinitiative für eine bessere Landwirtschaft August 1, 2019

Pressemitteilung vom 31.07.2019 – 08:45

In Europa formiert sich ein breites, zivilgesellschaftliches Bündnis zur Rettung der Artenvielfalt und der bäuerlichen Landwirtschaft. Heute reichten Organisationen aus ganz Europa in Brüssel die Europäische Bürgerinitiative (EBI) „Save bees and farmers – Bienen und Bauern retten!“ ein. Sie will den Einsatz gefährlicher Pestizide beenden und Bäuerinnen und Bauern bei der Umstellung zu einer gesünderen und umweltfreundlicheren Produktionsweise unterstützen. Die EU-Kommission hat nun zwei Monate Zeit, die Bürgerinitiative zu prüfen. Sobald sie die Registrierung bestätigt, wird das Bündnis innerhalb eines Jahres eine Million Unterschriften in Europa sammeln.

Die Wissenschaft ist sich einig: Ohne tiefgreifende Veränderungen unserer landwirtschaftlichen Produktion wird der Kollaps unserer Ökosysteme nicht aufzuhalten sein. Ein Viertel der Wildtiere Europas ist vom Aussterben bedroht, der Bestand der Feldvögel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten halbiert. Viele Bienenarten und andere bestäubende Insekten drohen auszusterben. Zudem mussten zwischen 2005 und 2016 rund vier Millionen kleinbäuerliche Betriebe schließen und werden durch immer weniger, immer größere Betriebe mit lebensfeindlichen Agrarwüsten ersetzt.

Überall in Europa entstehen derzeit Bürgerbewegungen, die eine andere Form der Landwirtschaft zum Ziel haben: Von der Mohnblumen-Bewegung in Frankreich über die Pestizidrebellen im Südtiroler Ort Mals bis zum erfolgreichen Volksbegehren „Rettet die Bienen“, das in Bayern über 1,8 Millionen Menschen unterzeichnet haben. Die Europäische Bürgerinitiative „Save bees and farmers“ setzt nun dort an, wo Europas Landwirtschaftspolitik maßgeblich gestaltet wird und fordert die EU-Kommission auf, per Gesetz

  1. für einen Ausstieg aus dem Einsatz chemisch-synthetischer
    Pestizide bis 2035 zu sorgen. Dazu soll der Einsatz solcher
    Mittel bis 2030 um 80 Prozent reduziert werden, beginnend mit
    den gefährlichsten Wirkstoffen.
  2. natürliche Ökosysteme in landwirtschaftlich genutzten Gebieten
    wiederherzustellen, so dass die Landwirtschaft eine Triebkraft
    zur Erholung der Biodiversität werden kann.
  3. Bäuerinnen und Bauern mit einer reformierten
    Landwirtschaftspolitik bei der Umstellung zu unterstützen, bei
    der die Priorität auf eine kleinteilige, vielfältige, und
    nachhaltige Landwirtschaft gelegt wird. Außerdem soll ein
    schneller Ausbau von agrarökologischer Praxis und ökologischem
    Landbau, eine unabhängige Weiterbildung von und durch
    Landwirt*innen sowie Forschung zu pestizid- und
    gentechnikfreiem Anbau gefördert werden.

Die Europäische Bürgerinitiative ist ein Projekt von zivilgesellschaftlichen Akteuren aus ganz Europa, darunter Umweltschutzorganisationen, Imkerverbände, Verbraucherschutzorganisationen und Bürgerinitiativen. Zu den Trägern der Initiative gehören unter anderem die europäischen Netzwerke PAN Europe und Friends of the Earth Europe, die Aurelia Stiftung und das Umweltinstitut München (Deutschland), Générations Futures (Frankreich) sowie GLOBAL2000 (Österreich).

Thomas Radetzki, Imkermeister und Vorstand der Aurelia Stiftung:

„Die zunehmend mangelnde, einseitige und pestizidbelastete Nahrungsgrundlage bestäubender Insekten bedroht Imkerinnen und Imker existenziell. Neben Bienen leiden ausgerechnet die vielfältigen bäuerlichen Betriebe unter der industriell ausgerichteten EU-Agrarpolitik. Bienensterben und Höfesterben haben dieselbe Ursache. Bienen und Bauern brauchen einen ambitionierten, aber realistischen Systemwandel, der nur mit einem konsequenten Ausstieg aus der Nutzung synthetischer Pestizide möglich ist.“

Adrian Bebb vom europäischen Netzwerk „Friends of the Earth Europe“:

„Wir sehen uns einem bisher unvorstellbaren Schwund von Naturräumen und Artenvielfalt gegenüber. Wir brauchen diese Bürgerinitiative, um den europäischen Entscheidungsträger*innen zu zeigen, dass sie viel mutigere Schritte unternehmen müssen: Sie müssen endlich eine europäische Landwirtschaft schaffen, die kleinbäuerliche Strukturen stärkt und den Schutz unserer Natur garantiert.“

Karl Bär vom Umweltinstitut München:

„Die industrielle Landwirtschaft ist das Epizentrum des ökologischen Erdbebens, das uns erschüttert. Die Wissenschaft lässt keinen Zweifel daran, dass wir in der Landwirtschaftspolitik einen ganz grundlegenden Systemwandel benötigen, um Bienen und Bauern zu retten. Unsere Bürgerinitiative wird ein Weckruf an die Politik, endlich die Interessen der Bevölkerung über die der Agrarkonzerne zu stellen.“

Annemarie Gluderer, Bio-Landwirtin aus Südtirol:

„Die Menschen erwarten von uns Landwirtinnen und Landwirten, dass wir verantwortungsbewusst mit der Natur umgehen. Wir haben uns der Bürgerinitiative angeschlossen, weil wir zeigen wollen, dass eine pestizidfreie Landwirtschaft möglich und nötig ist. Es steht nicht nur die Existenz von uns Bio-Landwirtinnen und -landwirten auf dem Spiel, sondern auch die Artenvielfalt und die Gesundheit unserer Mitmenschen. Gemeinsam können wir eine gesündere und lebenswertere Zukunft für uns alle schaffen.“

Martin Dermine vom europäischen Pesticide Action Network (PAN):

„Die industrielle Landwirtschaft basiert auf lebensfeindlichen Monokulturen und dem intensiven Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden. Diese belasten nicht nur unser Essen und unsere Umwelt, sondern sind eine der Hauptursachen für den Rückgang der Artenvielfalt. Ein System aufrechtzuerhalten, das uns und unserer Umwelt stetig Schaden zufügt, macht keinen Sinn: Wir müssen endlich raus aus der Pestizidanwendung und den Planeten und unsere Gesundheit wieder ins Zentrum der EU-Agrarpolitik rücken.“

Pressekontakt:

Thomas Radetzki
Aurelia Stiftung
Vorstand
Tel.: +49 30 577 00 39 69
thomas.radetzki(at)aurelia-stiftung.de

Adrian Bebb
Friends of the Earth Europe
Coordinator Food, agriculture and biodiversity
Tel.: +49 1609 490 1163
adrian.bebb(at)foeeurope.org">adrian.bebb(at)foeeurope.org

Karl Bär
Umweltinstitut München
Referent für Agrarpolitik
Tel.: +49 176 100 94 126
kb(at)umweltinstitut.org">kb(at)umweltinstitut.org

 

Weitere Informationen: http://www.savebeesandfarmers.eu

 

Wechselwirkungen zwischen Honigbienen und Varroamilben, beeinflusst durch Zellgrößen und VSH-Hygieneverhalten Juli 2, 2019

Journal: Entomologia Generalis 38 / 3
Paper: Interactions between honeybees and varroa mites influenced by cell sizes and hygienic behaviour

https://www.schweizerbart.de/papers/entomologia/detail/38/90578

Abstract

Deutsch:

Der Einsatz von Mittelwände mit kleinen Zellen wird auch als Varroa-Gegenwehr propagiert. In diese Studie ist diese Problematik gezielt analysiert worden. Die Frage der Annahme anderer Zellgrößen unterlag in der untersuchten Carnica Singer Population einer Selektion. Völker auf Waben mit kleineren Zellen (4.9 mm.) haben gegenüber Völker mit gleicher Abstammung auf größeren Zellen (5.5 mm.) eine geringere Varroamilbenvermehrungsrate. Dieses gilt jedoch nur dann, wenn die Völker auch über die VSH-Eigenschaft verfügen. Kleine Zellen kombiniert mit der passende Genetik (Zellgröße und VSH) kann als Teil eines integrierten Varroabehandlungskonzeptes dienen.